Interview Sven Waasner

Ich habe Sven Waasner in München getroffen, er hat uns Fragen zu seiner Rolle als Dr. Dr. Markus Lindner bei Herzflimmern – Die Klinik am See beantwortet. Außerdem spricht er über Zukunftspläne und hat ein wenig aus dem privaten Nähkästchen geplaudert.

Wer ist Sven Waasner überhaupt?

Bekannt geworden ist er mit seiner Rolle „René Sturm“ bei Unter Uns. Danach war er in zahlreichen Fernsehproduktionen zu sehen. U.a.
– Das Geheimnis meines Vaters (Serie) – Dörte´s Dancing (TV-Film) – Die Pfefferkörner (Serie) – Eine für alle – Frauen können´s besser
Seit April 2011 ist er als Dr. Dr. Markus Lindner in der ZDF-Serie „Herzflimmern – Die Klinik am See“ zu sehen.

 

In Herzflimmern spielst du die Rolle Dr. Dr. Markus Lindner. Bei einer Geiselnahme in der Klinik wurde Markus angeschossen und schwer verletzt. Wie war es für dich von der Rolle des Arztes in die Rolle des Patienten zu schlüpfen?

Sven Waasner: Für mich war es sehr interessant. Die Kunst darin war, nie den Arzt zu vergessen, der Markus eigentlich ist. Er war kein Patient, der nicht weiß was mit ihm los ist, der sich fragend umsieht, wissen will, was er hat und wann es ihm besser geht. Markus wusste, was ihm fehlt, kannte seine Diagnose und wie die optimale Behandlung aussieht und trotzdem musste er erkennen, dass man nur ein guter Arzt sein kann, wenn man nicht selbst Patient ist. Deshalb war es auch keine typische Patientengeschichte, es war eher der Zwiespalt, der die Sache interessant gemacht hat.

Was hat dir persönlich mehr Spaß gemacht, Dr. Dr. Lindner oder Patient Lindner?

Sven Waasner: Der Wechsel war sehr interessant. Schon als ich die Geschichte das erste Mal gelesen habe, hat sie mir sehr gut gefallen. Wenn du immer nur der coole, alles wissende, operierende Arzt bist, wird es irgendwann langweilig. Es war deshalb sehr spannend in die Rolle des Patienten zu schlüpfen, der seinen Beruf und seine berufliche Laufbahn in Frage stellen musste. Solche Verzweiflungen sind immer sehr dankbar und interessant zu spielen.

Als Patient hat man dich oft mit freiem muskulösen Oberkörper gesehen. Hast du extra trainiert oder machst du allgemein sehr viel Sport?

Sven Waasner: Ich mache überhaupt keinen Sport. Ich denke ich bin einfach Jemand der vom lieben Gott mit einem sehr geringen Fettanteil gesegnet ist. Das ist alles. Im Normalfall gehe ich sehr oft zum Klettern. Aber durch die Dreharbeiten und andere Termine habe ich es in diesem Jahr erst einmal geschafft. Ansonsten bin ich ein Sportmuffel, was jetzt wirklich kein blöder Spruch sein soll, wie „Ich bin nicht operiert“. Aber die Leute die mich kennen, wissen, dass ich wirklich absolut keinen Sport mache. Für mich spielt die Figur auch keine sehr große Rolle. Im Film Dörte´s Dancing sollte ich den ganzen Film über meinen Bauch herausstrecken um dicker zu wirken. In dieser Hinsicht bin ich auch überhaupt nicht eitel. Bei Markus kam es auch eher darauf an, dem Zuschauer die Wunde zu zeigen und damit zu verdeutlichen, dass diese Verletzung besteht. Ich bin kein Mensch, der sich in dieser Hinsicht präsentieren muss.

Viele Menschen verwechseln den Schauspieler mit seiner Rolle. Wurdest du schon mal für einen richtigen Arzt gehalten?
Sven Waasner: Nein, so was ist mir noch nicht passiert. Und ich muss auch sagen, dass es bei mir Gott sei Dank immer so gewesen ist. Ich achte sehr darauf, dass meine Rollen sehr unterschiedlich sind. Deshalb hat es mich sehr gefreut, hier einen etwas negativeren Charakter spielen zu können. Bei Unter Uns (Rolle: René Sturm) war es eher ein lebenslustiger, froher und witziger Leb-in-den-Tag-hinein. Hier ist es das genaue Gegenteil. Markus ist sehr ehrgeizig, ist sehr darauf bedacht, seine Sachen durchzusetzen und weiß genau was er will.
Inzwischen kennen die Leute auch meinen Namen. Zu meiner Zeit bei Unter Uns wurde ich öfter mit René angesprochen. Inzwischen ist es aber zum Glück nicht mehr so, was vielleicht auch an meinen vielen verschiedenen Rollen liegt.

Für Herzflimmern hast du mit deinen Kollegen ein Praktikum in einem Krankenhaus gemacht. Wo hast du es gemacht und wie war es für dich?

Sven Waasner: Wir waren in einer Klinik in München und wurden dort von einem sehr netten Arzt herumgeführt, der uns alles gezeigt hat. Wir haben an einer Visite teilgenommen, haben uns das Schwesternzimmer angesehen und konnten auch bei einigen Untersuchungen, u.a. auch bei Endoskopie und sogar bei Operationen zusehen. Es war natürlich sehr gut, einen Einblick zu bekommen, wie es wirklich in einem Krankenhaus abläuft.
Der Alltag dort ist doch etwas anders, als man es aus TV-Serien oder Filmen kennt. Wobei ich sagen muss, dass es bei Herzflimmern wirklich sehr realistisch zugeht. In Herzflimmern zum Beispiel sieht man immer wieder Situationen, in denen sich die Ärzte über einzelne Patienten unterhalten, was den Zuschauer vielleicht überrascht oder ungewohnt vorkommt. Aber es ist in einer richtigen Klinik nicht anders, wenn nicht sogar noch viel mehr über die einzelnen Patienten gesprochen wird.
Natürlich darf in einer Serie die Unterhaltung der Zuschauer nicht zu kurz kommen. Die fünfte OP am Knie will dann auch Niemand mehr sehen….

Sehr interessant ist es für mich auch, die OP´s zu drehen. Wir haben dort präparierte Schweine. Als ich zum Beispiel eine Herzklappe tauschen sollte, lag auf dem OP-Tisch eine richtige geöffnete Schweinebrust mit einem Schweineherzen, dass an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen war. Ich musste dann an diesem Herz eine Herzklappe entfernen und eine Neue einsetzen. So etwas ist wirklich faszinierend. Wir werden bei solchen Szenen von Chirurgen betreut, die uns genau sagen, auf was wir achten müssen oder wie wir vorgehen müssen. Auch das Desinfizieren und Nähen mussten wir üben, um es möglichst realistisch zeigen zu können.


Du hast also keine Probleme damit, Blut zu sehen?
Sven Waasner: Nein, überhaupt nicht. Aber es kam durchaus vor, dass es dem ein oder anderen Komparsen mal ein wenig anders geworden ist.

Jeder Schauspieler hat eine andere Art den Text zu lernen, wie lernst du?

Sven Waasner: Ich übe die erste Stellprobe (Wer geht wohin? Wer steht wo? Wie fährt die Kamera?) immer mit meinem Textbuch und lerne ihn in dieser Zeit. Zum Glück brauche ich nie lange, mir die Texte zu merken. Oft ist es auch so, dass sich der Dialog ergibt, wenn man die Szene dreht. Man hört den Satz des Anderen und weiß sofort, was ich selbst antworten muss. Ich bin Niemand, der sich zu Hause den Text abdeckt und ihn so lernt.

Vergisst du den Text nach der Szene sofort wieder?

Sven Waasner: Zum Teil vergesse ich ihn wieder. Aber manche Szenen weiß ich noch. Zum Beispiel meine erste Szene bei Unter Uns könnte ich immer noch aufsagen. Es kommt also immer auf die einzelne Szene an.

Kannst du uns eine lustige Story von den Dreharbeiten zu Herzflimmern erzählen?
Sven Waasner: Ja, klar. Die Szene ist diese Woche gelaufen. Es geht um einen Jungen der mit Alkoholproblemen eingeliefert wurde und Blut spuckt. Ich bringe ihn mit Schwester Henriette und Dr. Marie Egger in den OP.
Die Szene haben wir als Plansequenz (Die Kamera fährt mit, ohne dass zwischen der Szene geschnitten wird) gedreht. Wir fahren das Krankenbett aus dem Krankenzimmer in den Aufzug. Während wir im Lift drehen wird der Flur umgebaut. Kurz danach haben wir das Bett etwas zu schwungvoll aus dem Aufzug geschoben. Wir haben selbst zu Dritt nicht mehr geschafft, es rechtzeitig vor der Glastür zu stoppen oder umzulenken. Also sind wir voll in die Glastür gedonnert, die dann zu Bruch ging. (Szene eingefügt)

Außerdem ist es schon öfter Komparsen während einer Operation schlecht geworden. Richtig eklig sind da immer Operationen an Knochen. Wenn dann ein Kniegelenk von einem Schwein auf dem Tisch liegt und daran rumgebohrt und -geschraubt wird.

Aber ich denke, es ist ein wenig wie Auto fahren. Wenn man es selbst macht, hat man keine Probleme und wenn man zusieht wird es einem schnell mal schlecht.

Kannst du dir vorstellen, selbst mal Regie zu führen?

Sven Waasner: Ja, klar. So was könnte ich mir auf jeden Fall mal vorstellen. Es ist zwar sicherlich sehr stressig, aber durchaus eine schöne Erfahrung selbst hinter der Kamera zu stehen. Allerdings denke ich, dass es fast unmöglich ist, in einer Serie zu spielen und gleichzeitig Regie zu führen. Aber vielleicht ergibt sich ja mal die Möglichkeit.

Welche Frage würdest du, als Schauspieler, gerne mal einem Schauspieler stellen?

Sven Waasner: Wie bereiten Sie sich auf ihre Rolle vor?

Gerade in Deutschland ist es oft so, dass die Schauspieler sich nicht genau genug mit ihrer Rolle befassen. Ich hatte mich, als ich die Rolle von Dr. Dr. Markus Lindner übernommen hatte, gefragt: Warum trägt ein Arzt einen Kittel? Warum trägt er das Stethoskop um den Hals? Warum trägt er den Pieper hier usw. Mir war es wichtig eine Antwort auf all diese Fragen zu bekommen. Ebenso wie eine Untersuchung abläuft und wie eine OP abläuft. Nur so kann ich mich voll und ganz auf eine Rolle einlassen.

Außerdem sagen viele Schauspieler, wenn sie einmal einen bösen Charakter gespielt haben, ich bekomme nur noch Rollen als Bösewicht. Oder ein Frauenschwarm bekommt nur noch solche Rollen. Aber ich denke in jedem Menschen steckt etwas Gutes und etwas Böses. Wenn man sich genau genug mit einer Rolle befasst, kann man auch jede Facette spielen.

Es gibt auch einige amerikanische Arzt-Serien, die im Moment im deutschen Fernsehen zu sehen sind. Z. B. Grey´s Anatomy. Wo siehst du Unterschiede zwischen Grey´s Anatomy und Herzflimmern?

Sven Waasner: Was ich bei Grey´s Anatomy sehr gut finde ist, dass die Assistenzärzte alle neu anfangen. Sie sind alle unheimlich ehrgeizig. Sie sind untereinander sehr gut befreundet und unterhalten sich, wer gerne welche OP hätte. Wenn dann aber der Oberarzt kommt und fragt, wer die OP haben will, heben trotzdem alle die Hand. Das hat mir an der Serie eigentlich am Besten gefallen. Jeder kämpft gegen jeden und trotzdem sind alle befreundet. Ansonsten denke ich, ist es Herzflimmern sehr ähnlich.

Wo sehen Sie die Grundlegenden Unterschiede von deutschen und amerikanischen Serien:

Sven Waasner: Ich denke es liegt nicht alleine am Budget oder an der Drehzeit.

Es kommt auch drauf an, wie die einzelnen Charaktere beschrieben werden. In deutschen Serien erfährt man über einen Charakter sehr wenig, bekommt am Rande vielleicht immer mal wieder etwas mit. Wobei gerade bei amerikanischen Serien schnell sehr deutlich wird, was für einen Charakter eine Rolle hat. Zum Beispiel Grey´s Anatomy: Zwei Leute liegen sich in einem Wohnzimmer nackt gegenüber. Sie kennen sich nicht. Haben sich in einer Bar kennen gelernt und beschlossen, die Nacht zusammen zu verbringen. Am nächsten Morgen stellen sie sich selbst dem Anderen vor. Und schon wird dem Zuschauer die Rolle wie eine Art Rollenprofil vorgestellt. Besser kann man so etwas eigentlich nicht in eine Serie oder einen Film einbauen. Oder der junge Assistenzarzt kommt rein, fällt über eine Bank, bekommt den Spind nicht auf, seine Sachen fallen raus und als erstes kommt der Satz: „Mein Name ist…., ich bin nicht schwul.“ Sofort weiß der Zuschauer, die Person ist ein wenig ungeschickt und hat Angst, von anderen als schwul gehalten zu werden. In Deutschland wird auf solche Fakten oft viel zu wenig geachtet.

Außerdem muss gerade hier alles sehr realistisch sein. Es ist fast unmöglich, dass bei einer deutschen Produktion ein Flugzeug abstürzt und in der ersten Folge fünf Bäume im Hintergrund fehlen… Die Serie (Lost A.d.R) ist ein großer Erfolg. Aber in Deutschland würde man sofort sagen, es ist unrealistisch und würde so etwas nicht umsetzen.

Du hast deine Ausbildung in New York gemacht. Stand es für dich nie zur Debatte, dort zu bleiben?

Sven Waasner: Ich hatte geplant in den Staaten zu bleiben und hatte mir auch in Los Angeles schon ein paar Wohnungen angeschaut. Als ich dann aber vom Casting für René Sturm bei Unter Uns gehört hatte, bin ich nach Deutschland um dort vorzusprechen, da die Rolle einfach zu mir passte. Überraschenderweise habe ich die Rolle dann wirklich bekommen und damit waren die USA-Pläne vom Tisch.
Danach stand es eigentlich nie mehr zur Debatte. Ich habe hier viele Hauptrollen oder Episoden-hauptrollen. Dort hätte ich wahrscheinlich keine großen Chancen, da ich nicht der typische Amerikaner bin und ein akzentfreies Englisch Voraussetzung ist.
Außerdem habe ich jetzt eine Familie, die natürlich auch eine sehr große Rolle spielt, warum ich in Deutschland bleiben möchte.

Du hast vor einiger Zeit von Berlin ins beschauliche, ländliche Forchheim gezogen, warum dieser Wechsel von der Großstadt aufs Land?

Sven Waasner: Der Hauptgrund warum Finja (Martens) und ich umgezogen sind, war eigentlich unser Kind. Es war einfach eine praktische Erwägung. Erstens haben wir dort Familie, die sich um einen kümmert und die einem etwas abnehmen kann. Als Schauspieler ist man sehr viel unterwegs

und wir haben dort Stabilität und einen schönen Mittelpunkt gefunden.
Der andere Punkt war, dass es uns dort sehr gut gefällt. Wir sind eh meistens in Städten unterwegs, deshalb sind wir darauf nicht angewiesen. Als Schauspieler arbeitet man sowieso nie dort wo man wohnt. Als wir zum Beispiel in Berlin gewohnt haben, habe ich dort zwei Tage gearbeitet und war sonst immer unterwegs.

Du hast mal überlegt in Forchheim ein Café zu eröffnen. Wie sieht es heute mit den Plänen aus?
Sven Waasner: Die Idee kam mir im letzten Winter und die Pläne sind auch noch nicht verworfen. Aber im Moment habe ich einfach keine Zeit dafür. Ich habe zu viele Termine, um mir darüber wirklich Gedanken zu machen. Außerdem muss man es sich bei dem Wetter auch zweimal überlegen, ob sich so was überhaupt lohnen würde.

Googlest du dich manchmal selbst?

Sven Waasner: Ja, natürlich habe ich mich schon mal selbst gegooglet. Aber ich bin niemand, der dreimal am Tag seinen Namen dort eingibt, um zu sehen, ob es irgendwas Neues gibt. Aber im Forum von Herzflimmern lese ich sehr oft, um zu sehen, wie die Leute meine Rolle sehen. Es geht dabei aber vor allem um berufliche Interessen.

Wie hältst du Kontakt zu deinen Fans? Bist du bei Facebook oder Twitter?

Sven Waasner: Ja, ich habe ein Facebook-Profil von Dr. Dr. Markus Lindner. Dort können mir Fans Nachrichten schreiben, Grüße hinterlassen oder ihre Meinung zu den Folgen abgeben. Es ist schön zu lesen, was die Leute so denken. Mein privates Profil möchte ich aber privat halten.

Außerdem lese ich sehr gerne im Forum von Herzflimmern.de. Es ist einfach interessant zu erfahren, was dort geschrieben wird.

Bald ist wieder das Münchner Oktoberfest. Besitzt du als Bayer eine Lederhose und gehst du auch hin?

Sven Waasner: Ich bin Franke! Aber ja, als Franke besitze ich eine Lederhose und trage sie auch sehr gerne. Letztes Jahr war ich zum ersten Mal auf dem Oktoberfest und ich hoffe es auch dieses Jahr einmal zu schaffen. Allerdings gefällt es mir nicht so gut. Wer die bayerische/fränkische Kultur und die ländlicheren Feste kennt, für den ist das Oktoberfest nicht mehr so interessant. Es verliert einfach den Reiz. Für Touristen ist es aber sicherlich sehr reizvoll.

Vielen Dank, Sven, für das nette Interview und dass du dir, trotz des Kampfes mit den Wespen, soviel Zeit genommen hast!

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